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Wenn kein Molekülmodell zu sehen ist:
http://www.biologie.uni-hamburg.de/
lehre/bza/protease/elmech/delmm.htm
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Die Atomkoordinaten für dieses Skript stammen aus den PDB-Einträgen 1hax, 1haz und 1hb0.

Reaktions-Zwischenstufen bei der Proteolyse durch Elastase

Kennzeichnend für Serin-Proteasen ist die katalytische Triade der Aminosäuren Serin, Histidin und Asparaginsäure, die in allen Enzymen dieses Typs konserviert ist. In Elastase (in diesem Beispiel aus Schweinepankreas) sind Ser195, His57 und Asp102 beteiligt, außerdem ein essentielles Wassermolekül. Ein weiteres gemeinsames Strukturmerkmal ist die sterische Anordnung zweier Stickstoffatome des Proteingerüstes, die ein negativ geladenes Sauerstoffatom des Substrates in eine Position dirigieren, die das Substrat für die Spaltungsreaktion fixiert. Dieser Teil der Protease wird Sauerstoffionenfalle genannt ("oxyanion hole").

Theorie: Das zu spaltende Peptid wird im Enzym nicht-kovalent in einer Furche in der Nähe der katalytischen Triade gebunden. Das Schema unten zeigt den Reaktionsablauf: Im ersten Schritt greift die Hydroxylgruppe von Ser195 nucleophil die Amidbindung des Substrates an und bildet einen Ester. Der carboxylterminale Teil des Substrates wird dabei freigesetzt. Die aminoterminale Seite des Substrates ist kovalent an das Enzym gebunden. Im nächsten Schritt abstrahiert His57 ein Proton von einem Wassermolekül, dessen übrigbleibender OH--Teil sich an den Ester-Kohlenstoff anlagert. Dadurch entsteht die Oxyanionen-Zwischenstufe.


Eine solche Struktur (drei Sauerstoffatome an ein Kohlenstoffatom gebunden) ist extrem instabil. Sie zerfällt zu einer Säure und einem Alkohol (Ser195), wobei in diesem Fall das Enzym regeneriert wird und der aminoterminale Teil des Substrates freigesetzt wird.

Die Röntgenstrukturanalyse: Das Heptapeptid menschliches beta-Casomorphin-7 (BCM7) ist ein schlechtes Substrat für Elastase, es wird nur langsam gespalten. Deswegen war es möglich, die Zwischenstufen der Reaktion bei niedrigen Temperaturen zu fassen und ihre molekulare Struktur zu ermitteln. Das Esterstadium war die erste sichtbare Zwischenstufe  , in der die vier aminoterminalen Reste des BCM7 an die Elastase gebunden waren. Eine Nahansicht des Reaktionszentrums zeigt die Esterbindung mit dem Carbonyl-Sauerstoff in Wasserstoffbrücken-Abstand zu den Stickstoffatomen von Ser195 und Gly193 in der Proteinkette  . Der Ester-Kohlenstoff ist perfekt planar sp2-hybridisiert  . Außer den Wasserstoffbrücken zu Ser195 und Gly193 in dem "Oxyanion hole" wird das Substrat durch zusätzliche Wasserstoffbrücken zu einem Strang im Enzym gehalten  , sodaß ein antiparalleles beta-Faltblatt um das Substrat erweitert wird.

Für die weitere Reaktion entreißt His57 einem Wassermolekül eines seiner Protonen, sodaß das jetzt freie Elektronenpaar des Sauerstoffs das Substrat angreifen kann. In der daraus resultierenden Intermediärverbindung mit dem Sauerstoffanion wechselt die Elektronenhybridisierung für den Ester-Kohlenstoff von der planaren sp2- zur tetraedrischen sp3-Konformation (mit der Maus kann man das Molekül so drehen, daß es gut zu sehen ist!). Die Zwischenstufe wird etwas stabilisiert, indem die negative Ladung der drei Sauerstoffatome über die Sauerstoffalle auf der einen Seite und gegenüber unter Vermittlung eines Wassermoleküls auf Thr41 verteilt wird. In diesem Zustand sind die Wasserstoffbrücken des BMC7 zu dem beta-Faltblatt des Enzyms gegenüber der Ester-Form etwas gedehnt  . Das erleichtert die Dissoziation des gespaltenen Substrated von dem Enzym, sobald die Bindung zu Ser195 gelöst ist. Experimentell wird der Wechsel von der Esterzwischenstufe zu der tetraedrischen Form durch eine geringfügige Erhöhung des pHs erwirkt. Nach Zusatz von weiterem Alkali schreitet die Reaktion schnell fort und in der nächsten Stufe wird das Enzym ohne Substrat gefunden  .
Was passiert mit der dritten Aminosäure der katalytischen Triade, Asp102? Diese Asparaginsäure gelangt nie in Bindungsabstand zum Substrat. Trotzdem hat diese Aminosäure eine wichtige Rolle: sie ist Teil eines Wasserstoffbrücken-Netzwerkes (zu dem katalytischen His57 und dem Faltblatt-bildenden Ser214) und generiert das elektrostatische Potential des Reaktionszentrums  .
Einen Eindruck des gesamten Enzyms bei der Proteolyse gibt die raumfüllende Ansicht  .

Neustart dieser Demonstration


RC Wilmouth et al, X-ray snapshots of serine protease catalysis reveal a tetrahedal intermediate, Nature Struct. Biol. 8 (2001) 689-694
G Katona et al, X-ray structure of a serine protease acyl-enzyme complex at 0.95-Å resolution, J. Biol. Chem. 277 (2002) 21962-21970




1-05 - R Bergmann