H3: Skandinavische Syntax im mehrsprachigen Kontext
Projektleitung: Prof. Dr. Kurt Braunmüller
Wissenschaftliche Mitarbeiter: Dr. Steffen Höder
Studentische Hilfskräfte: Jasmin Bliesemann, Ilka Wantia
Allgemein
Das Forschungsprojekt „Skandinavische Syntax im mehrsprachigen Kontext“ ist Teil des Sonderforschungsbereichs 538 Mehrsprachigkeit an der Universität Hamburg, einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungseinrichtung. Das Projekt besteht seit 2002 und wird zurzeit in der dritten Phase bis 2011gefördert.
Thematik
Das Projekt untersucht, inwieweit sich Mehrsprachigkeit als dominanter Faktor bei der diachronen Entwicklung der skandinavischen Sprachen nachweisen lässt und beschäftigt sich mit dem syntaktischen Sprachwandel in den skandinavischen Sprachen in einem Zeitraum von den ältesten Runeninschriften (ca. 2.–8. Jahrhundert n. Chr.) bis zum Dänischen und Schwedischen der frühen Neuzeit.
Fragestellungen
- Welche Rolle spielt der Sprachkontakt zu nicht-skandinavischen Sprachen für die diachrone Entwicklung der skandinavischen Syntax?
- Wie ist die Mehrsprachigkeit kulturell dominierender Sprecher/Schreiber im Rahmen dieses Sprachkontakts zu bewerten?
- Welche Besonderheiten ergeben sich bei intensivem Kontakt zwischen genetisch eng verwandten Sprachen?
Ausgangspunkte
- Von der Sprache der ältesten Runeninschriften in der Spätantike bis zum Dänischen und Schwedischen der frühen Neuzeit sind deutliche typologische Veränderungen in der Syntax der festlandskandinavischen Sprachen zu beobachten.
- Während des untersuchten Zeitraums bestanden intensive Sprachkontakte zwischen skandinavischen und nicht-skandinavischen Sprachen, die eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Mehrsprachigkeit zumindest der kulturell dominierenden Sprechergruppen voraussetzen. Hier geht es um Kontakte
- zum nachklassischen Lateinischen in der Spätantike und
- zu deutschen Varietäten (Mittelniederdeutsch und Frühneuhochdeutsch) sowie zum Mittellateinischen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit.
- In anderen Bereichen des Sprachsystems (Lexikon, Morphologie) haben sich diese Kontakte stark auf die Entwicklung der skandinavischen Sprachen ausgewirkt. Für die Syntax fehlen bislang detaillierte Untersuchungen.
- Bilinguale nutzen diasystematische Variationsmöglichkeiten in den am Sprachkontakt beteiligten Sprachen aus. Dabei bevorzugen sie eine möglichst parallele Abfolge der Satzkonstituenten und reduzieren so die syntaktischen Divergenzen zwischen den jeweiligen Sprachen.
- Durch die genetische Nähe zwischen skandinavischen und deutschen Varietäten bzw. durch die weitgehend freie Wortstellung des Lateinischen sind solche Variationsmöglichkeiten für die betreffenden Kontaktsituationen gegeben. Dies betrifft besonders die Wortstellung im Satz und die Abfolge der Konstituenten in der Nominalphrase; beides wird im Projekt untersucht.
- In der neu entstehenden Schriftlichkeit des Spätmittelalters sind Latein und Mittelniederdeutsch die maßgeblichen Vorbildsprachen. Hier sind Einflüsse auf Texttypen und Textstruktur denkbar, die sich auch auf grammatische Merkmale auswirken.